Vier haardte Männer

Vom 1. bis 5.Oktober 2001 wanderten vier Männer durch den Haardt-Wald von Grünstadt bis nach Bad Bergzabern, rund 100 km bergauf und bergab, mit vollem Gepäck, d.h. mit Ersatzunterhose, Zahnbürste, Scheckkarte und Esbitkocher - Gerhard Fey, Franz Biernatzki, Bernd Butzbach und Werner Bohn.

 

In der Ruine Altleiningen konnten noch alle fröhlich lachen, denn nur der Wanderführer Gerhard ahnte dunkel, was sie noch erwartete.
Sobald es von festen Straßen weg ging, wurde die uralte Wanderkarte zu Rate gezogen. Nicht immer waren die darin vermerkten Zeichen existent. So entdeckte Mann manch überraschenden Weg - meistens mit zusätzlichen Höhenmetern.
Auch am Morgen des zweiten Tages war die Stimmung beim Wanderführer gut, hatte er doch beim opulenten Frühstück im Schatten des Bad Dürkheimer Fasses (nicht der allerbeste Wein; leichtes Kopfbrummen!) heimlich ein Schächtelchen Margarine eingesteckt.

Nach 463 Stufen zur Ruine des Klosters Limburg entblößte sogar der Wanderführer sein Haupt aus Respekt vor dem Wind der Geschichte, der ihn von nun an umwehen sollte.

 

Höhepunkt des rustikalen Mittagessens am Wegesrand waren natürlich die von Franzens Adlerauge erspähten Steinpilze, die Gerhard in seinem Esbitkocher mit der entwendeten Margarine und einem halben Bouillonwürfel anrichtete. Nicht jeder wollte davon kosten, zumal einige der Pilze auf dem roten Hut niedliche weiße Tupfen hatten.

Am Bocksbrunnen in Deidesheim, dort wo Helmut mit Francois den Saumagen futterte, bekamen die Wanderer neue Kleidung angepasst, während der Bocksreiter wohl wieder einmal die Richtung verwechselt hatte.

Ein Höhepunkt der Wanderung war die Erstürmung des Hambacher Schlosses, dekoriert mit nationalfarbigen Kokarden. Der Wanderführer verlas an historischer Stätte die Trimmerregeln und schlug sie an die Schlosslinde zum ewigen Gedenken an den 3.Oktober 2001, als die echten Verfechter der (Basis-)Demokratie zum Schloss hinauf marschiert waren.
(Basis-Demokratie lt. Brockhaus: Die Basis (einer!) bestimmt, was gemacht wird. Historische Vorbilder: Julius Cäsar, Karl der Große, Ludwig IVX, Josef Stalin und Gerhard Fey)

Vom Hambacher Schloss ging es dann unermüdlichen durch Kastanien- und Steinpilzwälder hinauf zum Kalmit, dem höchsten Gipfel der Haardt - natürlich im Laufschritt, so dass oben an windgeschützter Stelle wieder der Esbitkocher in Gang gebracht wurde und sich einer sogar an den Pilzen satt gegessen (überfressen) hat.
An manchen Orten hatte die heimische Bevölkerung zum Empfang der Wanderer Triumphbögen aufgestellt.

Hoch über Annweiler thront der Trifels mit den salischen Insignien der Macht. Wer nun wirklich die Reinkarnation von Friedrich dem Großen sein möchte, ist hier unzweifelhaft zu erkennen.

Kein Weinberg mit reifen Trauben ohne die Verführung zum Mundraub. Schließlich tat man etwas in Verantwortung gegenüber der Überproduktion vorderpfälzischer Winzer.
Zufrieden lächelt der Wanderführer auf der Rückfahrt in die Heimat: Er hat seine Mannen erfolgreich zum Ziel geführt und darf nun getrost neue Taten planen in der Erkenntnis: Wandern macht nur mit großem Rucksack so richtig Spaß. Das ist elitär, denn außer vier leicht beschränkten älteren Herren sah man in dieser Zeit nur einen einzigen Jungmann mit vollem Gepäck - und der trug wahrscheinlich die Aussteuer zu seiner Herzensdame.